Chlösterli in alter Zeit
 
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Chlösterli in alter Zeit
 
Daß ein Schwesternhaus im Aegerital bestandenhat, steht eindeutig fest, ebenso, daß sich zwei Häuser auf beide Gemeinden verteilen. Auch die örtliche überlieferung weiß von einem solchen an derI..angheitenstraße auf der Allmend Unterägeri, wo ein Heimwesen dieses Namens am 27. November1961 in gemeindlichen Besitz übergegangen ist. Überlieferungen sind jedoch immer vorsichtig abzuwägen, wie der vorliegende Fall von neuern zeigt.
 
Es bleibt somit Verschiedenes genauer abzuklären, sowohl was die schriftlichen Quellen wie auch den Ortbefund betrifft. Zu alledem sind diese geistlichen Häuser aus ihrer Zeit heraus zu verstehen, da ihre Datierung doch einigermaßen ermittelt ist. Historiker, wie der Einsiedler Stiftsbibliothekar Gabriel Meyer, der Zürcher Arnold Nüscheler, Eugen Grober in Zug, Georg Boner in Aarau und zuletzt Rudolf Pfister in seiner Kirchengeschichte der Schweiz Bd. I, Zürich 1964, haben auf diesem Gebiete den Weg geebnet.

Männer- und Frauenklausen im Umkreis

Standen die ältesten Klöster meist nur den Adeligenoffen, so fanden Bürgerliche schon in den Zisterzienserorden, von Anfang an auch in die franziskanischen Orden Aufnahme. Frauenkonvente der Zisterzienserinnen, wie FrauenthaI in der Gemeinde Cham, ließen für die Verwaltung der Okonomie selbst Laienbrüder zu, die in die Hände der Äbtissin ihre Ordensgelübde ablegten. Antriebe verschiedener Art brachten gegen das Jahr 1200 eine eigent- liche religiöse Laienbewegung in Fluß, die unsere Gegenden von Italien und Belgien her erreichten Fromme Frauen befolgten ohne formelle OrdensgelÜbde eine neue Lebensform zwischen Nonnen und Laien. Sie lebten in kleinen Gemeinschaften beisammen, durch ein eigenes Kleid gekennzeichnet, in Bürgerhäusern oder bei abgelegenen Kirchen, selbst in waldiger Gegend, wie die beiden Häuser in Aegeri, und wählten aus ihrer Mitte für die Leitung eine kluge Meisterin.

In Belgien waren es die Beginen, hierzulande hießen ihre Klausen Sammlungen, die Bewohnerinnen Wald-oder Arme Schwestern. Oft taten sich in ihrer Nähe auch Männer gleicher Gesinnung zusammen. Solche Männer- und Frauenklausen sind wenigstens in der Innerschweiz zahlreich nachweisbar, vereinzelte Ausläufer bis in die letzten Jahrhunderte. Doch hatten diese Gemeinschaften anfänglich nichts mit dem kanonisch geregelten Ordensleben zu tun, sind meistens immer- hin der Anfang unserer Frauenklöster. Hier in den innern Orten ist ihre Zahl erheblich größer als man annehmen möchte, und ihre Anfänge liegen ziemlich zwischen den Jahren 1200 und 1300. E. Grubers Studie «Beginen und Eremiten in der Innerschweiz», in Festschrift Vase1Ia, Freiburg 1964, hat sie einläßlich und ziemlich umfassend gewürdigt. Doch haben entlegene Aufzeichnungen noch weitere zutage gefördert. Auch die zürcherische Nachbarschaft dürfte hier noch beigezogen werden, sofern von Zug aus Gleichartiges zu erfassen ist Zeitlich an der Spitze steht ein Name EinsiedeIn, wie er heute heißen würde, in den um I 150 niedergeschriebenen Gründungsakten des Klosters Muri. Der Eintrag Neisidelon, entsprechend heutigem mundartlichem Neisele für Dorf und Kloster der Waldstatt, meint ein Gut beim Hofe Alznacht an der Nordgrenze von Risch, wie aus der geographisch genauen Aufzählung dieser Murigüter hervorgeht. Hier mußten damals schon mehrere Eremiten sich zusammengetan haben. Wohl taucht der Name später nicht mehr auf, doch ist ein gegenständlicher Fund von größerer Bedeutung, da hier bis nach 1900 das Inventarstück einer Kapelle gehütet, dann aber im Jahre 1907 an das Schweizerische Landesmuseum abgetreten wurde. Es ist eine nach Ilse Baier-Futterer kurz nach 1500 entstandene, dreiteilige Holzplastik der Mariä Krönung,
Höhe 115cm, LMNr. 9655. FÜrdiekunstgeschichtliche Würdigung sei auf den Beitrag von Dr. Josef Brunner in diesem Heft verwiesen. Der längere Bestand dieses Eremitoriums, somit über 1500 hinaus, ist durch die weitere Tatsache erwiesen, daß nach Nüscheler noch 1751-1758 hier ein Waldbruder hauste. Wie immer hielt die politische Behörde, in diesem Fall der Stadtrat von Zug, ein behutsames Auge auf diese Brüder und erlaubte im erstern Jahre die Niederlassung. Ein Gleiches taten die Gemeinderäte von Oberägeri und Menzingen für die WaIdbrüder auf St. Jost und Gubel. In der Waldeinsamkeit des Chiemen, ziemlich über der Spitze der Landzunge, hütete ein Einsiedler die kleine Kapelle Allerheiligen, Gemeinde Meierskappel LU, die um 1619 beim Bau der Kapelle Oberwil als Ruine ausgebeutet wurde, um die gehauenen Steine von neuem zu verwenden. Wie es einst St. Meinrad erging, so ähnlich im Jahre 1331 dem Bruder Konrad am Chienboume. Er wurde überfallen und verletzt, mußte den Arzt von Goldau beiziehen und seine Einsiedelei verpfänden. Bekanntlich gelang es Michael Speck undAlbert Weiß vor dreißig Jahren, den Boden der Kapelle auszugraben und einige Keramik zu finden. -Es ist nicht ausgeschlossen, daß an dieser schmalsten Stelle des Zugersees Einsiedler-Pilger nach Lotenbach hinüber gerudert wurden. Jenseits des Zugerbergs, östlich des Hintergeißbodens, führte ein «Einsiedlerweg» bei der Höli auf die Allmend Unterägeri und wohl über diese zur Mündung des Hüribachs, mit einem vermutlichen Fahr am Langenort. Wer diesen Weg daherzog, mußte auch beim amaligen Chlösterli vorbeikommen. Weiter westlich, schon auf Luzemer Boden zwischen Meierskappel und Udligenswil bei der Murlezen und dem Arbach, überliefert das Jahrzeitbuch Udligenswil zum 5. August 1588 einen Heinrich, Bruder des Walter Zumstein; er war ein waldbruder im Arbach, auch ihre Schwester Katharina lebte im Einsiedlerwald! Sicher hatte sich Heinrich Zumstein hier niedergelassen. Unbestimmt bleibt dagegen, ob dieser Oberbuenaser Wald wegen der Einsiedelei Einsiedlerwald hieß oder ob Katharina Zumstein dem Schwesternhaus «im Wald gen Einsidlen» der Gemeinde Oberägeri zugehörte. Der Eremit am Arbach dürfte auf alle Fälle die rückwärtige Verbindung mit der Klause am Chieme an einem Pilgerwege aus dem uzernischen herstellen. Ähnliches ist über das abgegangene Alterswil im Bezirk Küßnacht überliefert, wo auf 63° unweit diesem ein Chlösterli bezeugt ist. Da Alterswil nach dem Kirchenurbar Küßnacht von 1613 an das Sämpel und die Bruderhofstatt anstößt, fallen hier die Bezeichnungen Chlösterli und Bruderhofstatt zusammen. Sie zeigen auch, wie die Hofstatt eines einzelnen Waldbruders zum Begriff Chlösterli aus geweitet wurde.

Ähnliches mag bei Schwesternsiedlungen zutreffen. Ein anderes Chlösterli, dieses Mal von Schwestern, liegt unter dem Schutte oberhalb Röten bei Goldau begraben. Ein ältester Eintrag des J ahrzeitbuches Sattel vom 8. September zählt all die Wohltäter auf, die im Jahre 1349 an die erste Kirche beigesteuert haben, darunter Klaus der Grebel {sovielwie Totengräber, womit bereits ein Friedhof angedeutet ist) und die Schwestern von Arth. Ihnen muß das kleine Heimwesen Chlösterli gehört haben, das nach Karl Zay, Goldau und seine Gegend als eine der 27 Liegenschaften 1806 verschüttet wurde. Erwähnt seien sozusagen unterwegs die erst nach 1600 auf beiden Inseln des Lauerzersees hausenden Waldbrüder und die wesentlich ältern im Tschütschi bei Rickenbach und auf dem Färisacher über Schwyz. Schon um 1240 wohnte eine kleine Beginenfamilie im Dorf Steinen, die aber 1262 dem Zisterzienserorden beitrat und auf die Au übersiedelte, wo die Marienkirche 1277 geweiht wurde. Mit Gütern in Rickenbach war dagegen die Schwesternsammlung auf dem Bach zu Schwyz ausgestattet, 1275 den Dominikanern in Zürich unterstellt und ihnen 1320 ordensmäßig eingeschlossen -das heute noch bestehende Kloster St. Peter auf dem Bach. Schließlich hatten sich im Muotatal anfänglich am wilden Starzlenbach um 1250 fromme Männer und Frauen als Sammlung niedergelassen und unterstellten sich auf Drängen des Talpfarrers der franziskanischen Regel unter der Leitung der Minderbrüder in Luzern. Es sind die Franziskanerinnen des St.- ]osefs-Klösterleins. Noch seien wenigstens vier zürcherische Häuser in den Bezirken Horgen und Affoltern beigefügt, mit dem kurzen Hinweis, daß das Bruderalbis seinen Namen keineswegs einem Eremiten verdankt, sondern dem alten Familiennamen Bruder, dessen Träger zahlreich im ]ahrzeitbuch Baar vertreten sind. Durch den Flurnamen ChIoster bei Borsikon am Türlersee ist bekannt, daß dort in der Gemeinde Aeugst ein Schwesternhaus bestanden hat, das die franziskanische Regel angenommen habe. Außer den Bruderhäusern in den Dörfern Mettmenstetten und Knonau blieben bis jetzt die Brüder auf Chalbisau, Gemeinde HiTzel, unbeachtet. Wie W. Schnyder, Urbare und Rödel der Stadt und Landschaft Zürich, S. 128, 170, 17 I, berichtet, zinsten die Fratres Heremitae in Kalwisowa 1317/18 ein Pfund Wachs an das Fraumünster von ihrer Hofstatt.

Auch 1566 ist noch die Rede vom Brudergut, und Gygers Karte von 1667 verzeichnet südlich Chalbisau das Bruderhaus. Da dort das Spital Rapperswil ein Gut mit Trottenhaus besaß, brandschatzten die Schwyzer diese Gegend auf einem Fehdezug vor. Zu Hausen am Albis lebte unter dem Schutze des Klosters Kappel vielleicht vor dem Anfange Frauenthals eine Schwesternsammlung, deren Angehörige im letztern aufgegangen sein werden. Sicher ging dem heutigen Frauenkonvent auf der Lorzeninsel ebenfalls ein Haus von Laienschwestern voraus.

Eine neue Bestätigung, was sich hinter dem Namen Bruderhaus verbergen kann, ist auf Vorderbuchenegg zu finden. Dort, nördlich Näfenhüser bei der Legende Holenstein, lag das Zizisterzienserinnenklösterlein Marienberg, in der Gemeinde Adliswil, die sich erst 1896 von der Kirchgemeinde Kilchberg trennte. Auffallend ist, daß sich die Erinnerung daran noch heute schwach bei Nachbarn erhalten hat. Unterhalb einer ansprechenden Waldlichtung mit einem Bächlein und Mauerschutt heißt eine kleine Fläche Totenacher, wo Skelette liegen sollen. Hier oben auf der Schneeschmelze hieß die Stelle noch 1543 Bruderhaus nach Zürcher Rechtsquellen II 187. Gygers Karte von 1667 zeigt denn auch eine Ruine und westlich davon an einem Seitenbach zur Sihl die Legende Bruderhaus. Noch lange, nachdem die anfänglichen Laienschwestern um 1259 nach Wurmsbach gezogen waren und sich dem Orden des heiligen Bernhard angeschlossen hatten, wies wenigstens der Name Bruderhaus auf diese frühere Stätte eigentlicher Waldschwestern. In Kürze seien aber auch die zugerischen Schwesternhäuser genannt; zunächst jene, deren Existenz gesichert ist: St. Michael in Zug, Schönbrunn- Wulfligen bei Menzingen und bei der Heilig-Kreuz-Kapelle an der Baarburg. Nur eine nicht mehr prüfbare Sage berichtet weiter von Gerlikon bei Blikensdorf und von Neuheim. Schon deswegen, weil die Brüder- und Schwesternsiedlung bei St. Michael durch das spätere Kapuzinerinnenkloster Mariä Opferung in die Gegenwart hineinragt, aber auch durch die urkundlichen Zeugnisse seit dem Jahre 1309 ist diese fromme Stätte besonders bemerkenswert. Obwohl bald nach 1400 keine Rede mehr von Brüdern ist, war ein sogenanntes Bruderhaus noch 1660 erhalten. Vermutlich vor 1300 hat auch das Haus der Konversen an der Baarburg seinen Anfang genommen, aber ein frühes Ende gefunden, als 1363 ein großer Stein sich von der Baarburg löste, das Haus zertrümmerte und drei Schwestern tötete. Gewiß wohnten hier auch Brüder, denn von einzelnen ist noch zweihundert Jahre später die Rede, und 1780-1787 bestand tatsächlich wieder, wie in Alznacht/Risch, eine Waldbruderei. Der Bruederhüsler aber bei der Kapelle Heilig-Kreuz der Dorfkorporation Baar, hatte allerlei untergeordnete Obliegenheiten an der Pfarrkirche zu versehen.

Zugewandte Ordensfreunde

Noch bevor das Genauere über die Schwesternhäuser in Aegeri zu sagen ist, muß es auffallen, welche Beziehungen es im Aegerital zu diesen frommen Häusern gab. Da war eine Schwester Metzi ( Mechtild) von Aegeri 133 7 im Schwesternhaus zu St. Michael, Bruder Heinrich von Aegeri aber schon 1259 Zisterziensermönch. Wenn ihn die bisherige Literatur dem Zürcher Bürgergeschlechte Von Egeri zugewiesen hat, geschah dies zu Unrecht, da dieses erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts auftritt, als die ältere Namenform Agerei schon zu Egeri umgelautet ist. Frater Heinricus dictus de Agerei kam als Novize von St. Urban her nach Wettingen, legte hier die Profeß ab und war 1 259 Zeuge bei einem Güterkaufe. Er schrieb etwa ein Dutzend theologischer Werke, Legenden und Choralbücher. Auch Urkunden lassen seine Hand mehrfach erkennen.Die zuverlässige Kunde über ihn hinterließ Wettingens erster Bücherschreiber Johannes von Straßburg im Cod. C 175 der Kantonsbibliothek Zürich. Kurz darauf aber setzt die erste Nachricht von der ältesten Talfamilie Heß ein und Überraschenderweise im Zusammenhang mit den Zisterzienserinnen von Marienberg, Rapperswil und Bollingen. Mitten in dieser Ausscheidung der Gründungszeit, als Marienberg bei Adliswil aufgegeben und der gräfliche Burgsitz Wurmsbach bezogen war, die Nonnen von Bollingen aber zu den Prämonstratensern übergingen und ihr Konvent schließlich aufgelöst wurde, genauer noch vor dem letztern Ereignis, treten an der Spitze des Konvents die beiden Schwestern Adelheid und Judenta von Aegeri auf. Nach 1298 wird in anderem Zusammenhang auch bekannt, daß Schwester Adelheid des Hessen Tochter von Agre ist. Judenta Heß stand als zweite Äbtissin, an ihrer Seite Adelheid als Priorin dem Konvente vor, beide urkundlich bezeugt am 1 1 .März 1267 , als unter dem Beistande der Zürcher Chorherren Ulrich Wolfteipsch und Hans von Neuheim die Verschmeizung des Bollinger Konvents mit dem Wurmsbacher vereinbart wurde. Auch die Beginen zu Gnadental an der Reuß standen damals Wurmsbach nahe, ob\vohl sie erst 1396 in den Orden von Zisterz aufgenommen wurden. Aber in den Jahren 1298-1305 stellte ihnen Wurmsbach doch Schwester Adelheid Heß von Aegeri als Meisterin, als diese nicht mehr Priorin im Mutterkloster war. Wie weit herum solche unscheinbaren Häuser über Besitzverfügten, beschäftigte gerade diese Meisterin Adelheid, da sie 1305 an den Muotataler Bauern Werner Tanner Stiftungsgut ihrer Beginen verkaufte, das im Muotatal gelegen und offenbar yon dort her vermacht worden war. Weiter finden wir die Heß, offenbar die Schwyzer Vorfahren unserer Talfamilie, bei der Stiftung und Ausstattung des Zisterzienserinnenklosters St. Maria in der Au bei Steinen. Konrad Hesso galt hier seinen Nachfahren geradezu als Hauptstifter des Klosters. Tatsächlich vergabte er im April 1286 mit seiner Ehefrau Gertrud an das junge Gotteshaus einige Gadenstätten am Urmiberg, auf Iberg und in Ingenbohl samt einer Wohnstatt in der Au am Lauerzersee, wo offenbar der Stammsitz der Heß gewesen sein muß. Die lebenslängliche Nutznießung blieb Gertrudens Mutter vorbehalten. Schließlich finden wir Meister Heinrichs Hessen Sohn von Aegeri, Johann mit Gattin Margrete, 1337 im Handel mit dem Zisterzienserkloster Kappel. Die Güter waren in Inwil/Baar gelegen, hießen unter andern Lüpisbol und Geningen, waren Lehen des Klosters und wurden jetzt als freies Eigen an Abt und Konvent verkauft. Einzelheiten dieser Art, wie sie hier als sachliche und persönliche Zeugnisse vielleicht etwas weither gesammelt sind, zeigen doch zur Genüge, wie dicht diese Schwesternhäuser über das Land verstreut waren, wie sich die überlieferung über die meistens Bruderhäuser am Leben erhielt und welche Fäden klösterlicher Belange das Bergtal durchzogen.

Die Schwesternhäuser im Aegerital

Die ehnvürdigen pergamentenen Jahrzeitbücher der ältem Pfarreien enthalten oft neben dem Hauptinhalte der Stiftungen ein Vielerlei, das der Ortsgeschichte äußerst nützlich ist. Das Exemplar der alten Mutterkirche in Oberägeri ist 1536 umgeschrieben worden, enthält jedoch trotzdem den ältesten Bestand, selbst mit einem Eintrage der Freiherren von Regensberg. Ihm verdanken wir auch drei Einträge, die uns entscheidenden Aufschluß geben, um die beiden Häuser näher zu erfassen. A. Letter hat sie schon 1910 in seine Beiträge zur Ortsgeschichte des Aegeritals aufgenommen, und P. Rudolf Henggeler veröffentlichte den ganzen Inhalt in alphabetischer Reihenfolge in Heimatklänge 1945 und 1946. Die Einträge datieren im Kalendarium vom 8. und 30. Juli und II. November. Aufschlussreich für die kirchlichen Bedürfnisse, die etwa Gegenstand der Stiftungen waren, ist gerade der erste Eintrag vom 8. Juli, wo eine Richenza Spissina (Spisser ab Schneit) verschiedene Jahreszinse in Schillingen festsetzt für Oblaten, das heißt Hostien und für Wein, der am Hohen Donnerstag an die Kommunikanten auszuteilen war, sodann für die Annen an allen Fronfasten, für eine Brotspende an ihrem Jahrtag und 3 Schilling den Schwestern am Rutzlenbül. Die Gült, das heißt Verpflichtung zuhanden des Kirchmeiers, war auf die Rogeneu der Familie Spisser errichtet. Da schon der Kirchenrodel diese Familie nennt, fällt das Datum vor 1469. Selbst das Jahrzeitbuch Zug kennt um 1425/1429 eine Vergabung «gen Neisideller Wald».

Sie sind unschwer abzuklären. Einmal durch eine weitere Jahrzeitstiftung in Zug durch den Stadt- Pfarrer Ulrich Föhn von Baar ( 143g-1448) mit 2 Pfund, haftend auf einem Gute, genannt Rütschlibül, Besitz der Ehefrau Margret Heinrich des Götschi Kündig von Zug, dann des Schuhmachers Rudolf Griffensee, Zürcher und Zuger Bürger, «stoßt einhalb an die alment, anderhalb an Bogenmatten und obsich an Wisenschwende». Rütschlibüel fällt.,somit eindeutig mit dem Büel der Allmend Unterägeri zusammen, hat jedoch in jüngerer Zeit den Besitzernamen abgestoßen. Damit ist der Standort des Klösterleins in Unterägeri bestimmt. Dieser Punkt 789 m liegt 600 m südwestlich des jüngern Heimwesens Chlösterli.Das braucht uns nicht zu überraschen, sobald die Angaben unter obigem Titel «Männer- und Frauenklausen im Umkreise» zum Vergleiche herangezogen werden. Wie anderorts, wird auch hierein Bruderhaus noch lange bestanden und den Namen Chlösterli geführt haben. Nicht so genau ist dagegen jenes im Einsiedlerwald zu bestimmen. Wir gehen kaum fehl mit der Annahme, daß auch hier die Einsiedelei St. lost die Nachhut der Waldschwestern übernommen habe, wo bis 1883 der letzte Bruder hauste. Nach Henggeler, Patrozinien 36, wären die Waldbrüder schon vor r35O den Schwestern gefolgt. Wenigstens 1479 datiert für die Kapelle die Erlaubnis für einen Tragaltar mit Messe am Feste des heiligen Jodokus «in dem helgenhüsli am waldweg». Dieser Standort rechtfertigt auch ohne weiteres die Ortsbezeichnung im Jahrzeitbuche, da hier vorbei der alte Pilgerweg nach Einsiedeln führte. übrigens lag auch das Chlösterli der untern Gemeinde durchaus in Richenza Spisser auf Hinterwiden den Schwestern. 'Wieder stiftet Werner Eberschwil in Hausen an der Zürcher Grenze am 3°. Juli nebst andern Zuwendungen einen Schilling den Schwestern im Rutzlenbül. Auch Anna Pfander stiftet ein ganzes Pfund an Kerzen und 01 den Schwestern im Wald gegen Einsiedeln und den Schwestern im Rutzlenbül waldiger Gegend. Neben dem Buechholz für Buchenwald hieß dieser frühere Bestandteil der Bogenmatt Buechhölzli und erhielt 1758 ein neu es Haus.

Das Chlösterli -ein Konvent

Völlige Klarheit über den kirchlichen Charakter dieser Niederlassung gibt eine Urkunde von 1278, das bei Zürich niedergeschriebene Testament des Leutpriesters und Dekans von Rapperswil, Arnold, eines tatkräftigen Freundes einer großen Zahl klösterlicher Gemeinschaften. Bereits 126 I Leutpriester daselbst, wirkt er als Zeuge mit bei der Stiftung von Rathausen LU, wie der Konvent nach Ordensbrauch hieß. Hier im Rietholz der Gemeinde Ebikon besaß der Luzerner Bürger Peter Schnyder ein Grundstück und verschenkte es an den Konvent der Schwestern in Horw, wo sie sich anfänglich niedergelassen hatten. 1278 hatte Dekan Arnold ein Guthaben von 16 Mark Silber am weitern Zisterzienserkloster Kappel und traf nun seine Verfügungen über diese Summe, wobei der Prior der Prediger von Zürich mitsiegelte. Der großmütige Testator verfügt seine Bestattung bei den Predigern in Zürich und ordnet sein Gedächtnis an mit 10 und 4: Mark. Nun folgen über ein Dutzend geistlicher Häuser: Prämonstratenser, Barfüßer, Zisterzienser, Chorherrenstifte, Männer- und Frauenklöster, selbst zwei Ordenshäuser in Trier, und auffallenderweise an der Spitze nach dem ersten Legat an die Prediger die beiden zugerischen Konvente, Frauenthal mit dem conventus sororum de Agrei. Eines der beiden Häuser in Aegeri, wohl das öfter genannte im Rutzlenbüel, war somit unzweifelbar nicht nur ein Beginen-, sondem ein eigentliches Ordenshaus mit ProfeB, und man würde es bei dieser Reihenfolge zuerst den Zisterzienserinnen zuweisen. Dieses auch deswegen, weil genau gleichzeitig zwei Töchter Hess dem Kloster Wurmsbach vorstanden. Stand diese Familie wohl auch der hiesigen Gründung nahe ? Wie dem sei, gibt auch das sichere Datum 1278 einen Fingerzeig auf das intime Heiligtum der Frauen im Rutzlenbüel, das wieder der öffentlichen Verehrung geschenkte Kruzifix um I270f 129°. Wie jenes aus Rathausen um 1260, in Muotatal um 1330 und 135°, in der Magerauf Freiburg aus dem 14. Jahrhundert und zu St.-Katharinen- Tal Die Benhofen um 1300, so könnte dasjenige in der Pfarrkirche Unterägeri den frommen Frauen gedient haben. Auf alle Fälle ist es zeitgenössisch mit dem kleinen Ordenshause auf der Allmend. Ihm wäre noch ein weiteres beizuzählen um 135°, das von Oberägeri her den Weg in die Sammlung Staffelbach, Luzem, gefunden hat und vielleicht im Waldschlag beheimatet war. ALBERT ITEN